Im Dezember 2024 hatte ich noch ein paar Tage frei und beschloss diese für eine Wandertour zu nutzen. Schon länger hatte ich Madeira ins Auge gefasst.
Durch das milde Klima ist dort auch im Winter eine warme Wanderung mit dem Zelt möglich.
Die Routenplanung
Von Anfang an fand ich eine komplette Inselüberquerung interessant. Aufgrund der kleinen Größe von Madeira ging ich davon aus, dass eine vollständige Überquerung von West nach Ost in einer Woche möglich sein sollte.
Online fand ich den MIUT (Madeira Island Ultra Trail). Dieser Lauf führt einmal über die ganze Insel. Die GPS-Route nutze ich als Grundlage und wandelte sie leicht ab.
Starten wollte ich meine Tour in Porto Moniz (Westen) und beenden am Flughafen Funchal (Osten)
Die Übernachtungen
Auf Madeira gibt es wilde Zeltplätze, die man gegegen eine Registrierung nutzen kann. Oft gibt es dort auch eine Toilette und Wasser.
Jeder Platz ist anders aufgebaut und hat eine andere Maximalkapazität.
Die Registrierung ist online auf https://simplifica.madeira.gov.pt/services/7-22-101 möglich.
Eine Übersicht über alle Campingplätze auf Madeira gibt es bei TrekSpots.
Die Anreise
Mein Flugzeug startete am 14. Dezember Mittags in Düsseldorf. Der Flug nach Funchal dauerte circa fünf Stunden.
Meine Wanderung starten wollte ich in Porto Moniz. Dieser kleine Ort liegt am westlichen Ende Madeiras. Dort hatte ich eine Hotelübernachtung gebucht, um am nächsten Morgen direkt von dort starten zu können. Bei der Buchung hatte ich auch ein Shuttletaxi gebucht, welches mich am Flughafen aufsammelte in etwa einer Stunde vom Flughafen ans andere Ende der Insel brachte.
In Porto Moniz checkte ich dann in das Hotel "Euro Moniz" ein.
Am Abend erkundete ich dann Porto Moniz und die Schwimmbecken vor der Küste.
Ungewohnt war die vielzählige Weihnachtsdeko in Kombination mit den warmen Temperaturen um 20°C.






Landung in Funchal und Anreise nach Porto Moniz
Im dunklen kam die Weihnachtsbeleuchtung und der helle Mondschein dann richtig zur Geltung und ich unternahm noch einen langen Nachtspaziergang und lauschte den Wellen an den Klippen.
Dann ging ich aber auch pünktlich ins Bett, um am nächsten Morgen voller Energie in die erste Etappe starten zu können.




Porto Moniz bei Nacht
Tag 1
Start: Euro Hotel, Porto Moniz
Ziel: Wilder Zeltplatz Fanal
Distanz: 38km (deutlich kürzer möglich - siehe Text)
Anstieg: 950m
Früh am Morgen beschloss ich das kostenlose Frühstück im Hotel zu nutzen um mich für die Wanderung zu stärken.
Ich war tatsächlich der einzige im Frühstücksraum und hatte die freie Auswahl. Mehr vegane Optionen als etwas Brot mit Marmelade und Bananen waren aber nicht vorhanden.


Checkout und einsames Frühstück im Hotel
Dann ging es endlich los. Mein heutiges Ziel war der wilde Zeltplatz bei Fanal - ein parkähnliches Gebiet mit alten, besonderen Bäumen.
Mein Plan war, entlang einer Levada (Ribeira de Janela) durch das Tal zu gehen, welches bei Porto Moniz beginnt. Anschließend wollte ich einen Weg den Hang hoch gehen und so nach Fanal gelangen.
Ich hatte allerdings nicht einberechnet, das der Zustand der Levadas stark schwankt und nicht immer aktuell in den OpenStreetmap-Karten gepflegt ist. Das sollte mir später zum Verhängnis werden.
Die Alternative (und bessere Wahl) wäre gewesen, einen Weg zu nehmen, der ungefähr dem Verlauf der Straße von Porto Moniz nach Fanal mit etwas Abstand folgt. So wäre die Strecke aber deutlich kürzer und unspektakulärer - dachte ich.
Meine Wanderung begann mit einem längeren Anstieg direkt hinter Porto Moniz. Schnell verließ ich das stark bebaute Gebiet und hatte immer mehr Aussicht von oben.



Abschied von Porto Moniz und Ausblick vom Hang
Nach etwa zwei Kilometern kam ich in ein abgelegeneres Wohngebiet bei Levada Grande. Hier waren einige Häuser deutlich heruntergekommener als in Porto Moniz und ich sah nur wenige Menschen auf der Straße. An vielen Stellen hörte man Hunde bellen.



Im Ort Levada Grande
Nach dem ich den Ort durchquert hatte begann endlich die Natur. Zum ersten Mal tauchte ich in den beinahe Dschungel-Artigen Wald ein.
Ich hörte viele Vögel und die Vegetation war sehr grün und vielfältig.
Nach einem kurzen Abstieg über einen eigentlich gesperrten Weg erreichte ich dann die Levada "Ribeira de Janela".
Die Levadas sind Wasserkanäle, die das Wasser über die Insel transportieren. Daneben gibt es normalerweise kleine, nicht immer gleich gut begehbare Wege. Oft führen die Levadas auch durch Tunnel.





Durch den Wald bis zur Levada.
Nun begann ein langer Abschnitt an der Levada. Mein Plan war, bis zur Quelle der Levada zu laufen, wo dann ein Pfad aus dem Tal heraus führen sollte.
Bis zur Quelle waren es nun etwa 15 Kilometer.
Der Weg an der Levada schlägelt sich entlang des grünen, unbewohnten Tals, wodurch man oft tolle Ausblicke hat.
Durch den Verlauf des Weges an der Levada gibt es auch kaum Höhenmeter.
Andere Wanderer traf ich kaum. Auf den späteren Abschnitten der Levada (nach dem längsten Tunnel) sogar gar keine.
Nach wenigen Kilometern traf ich auf den ersten Tunnel. Dieser war zwar vergleichsweise kurz, aber es war dennoch ein ungewohntes Gefühl, durch den engen, dunklen und niedrigen Tunnel zu gehen.
Eine helle Lampe ist hier absolut notwendig.
Mit meinem dicken Rucksack musste ich gut aufpassen, nicht an die Wand und die Decke zu stoßen.






Der Weg entlang der Levada und der erste Tunnel
Im Laufe der nächsten Kilometer folgten mehrere weitere Tunnel. Mehrfach stand der Weg neben der Levada im Tunnel auch unter Wasser, sodass ich auf dem kleinen Mittelsteg balancierte.
Schließlich kam der längste Tunnel der Tour, welcher fast 2km lang ist. Dementsprechend lange wanderte ich durch die stille Dunkelheit.
In der Mitte des Tunnels kommt das Grundwasser aus Spalten in der Tunneldecke und den Wänden und ich wurde ordentlich nass.
Alle anderen Wanderer die ich am Tag traf (maximal 10) drehten vor dem Tunnel um.
Man kann den Tunnel auch über einen kleinen Trampelpfad am Berg umgehen. Dieser sah, zumindest von unten betrachtet, allerdings nicht sehr zugänglich aus.
Als ich nach fast 30 Minuten im Tunnel wieder das Tageslicht erblickte waren es noch etwa 3 Kilometer bis zur Quelle der Levada.
Dort sollte dann, laut Karte, ein Pfad den Berg hoch nach Fanal führen.
Nach etwa 2km passierte ich einen Beton-Staudamm im kleinen Fluss, welcher durch das Tal unterhalb der Levada fließt.






Kurz vor dem Ursprung der Levada
Eine unfreiwillige Dusche mitten im Tunnel.
Danach wurde der Pfad entlang der Levada deutlich schlechter und verwilderter.
Nach ein paar hundert Metern steckte ich dann in der Sackgasse: Der Weg an der Levada war am steilen Hang abgestürzt.
Ein Weiterkommen war hier absolut unmöglich. Die dichte Vegetation und das starke Gefälle links und rechts verhindern das Gehen abseits der Levada völlig.
Ein paar Flatterband-Reste markierten traurig das Ende des Weges. Zuvor gab es keinen Hinweis auf dieses abrupte Ende.
Ich kehrte relativ schnell wieder zum Staudamm zurück, da der Weg vor dem Abbruch auch nicht gut gepflegt aussah und ich keinen Absturz riskieren wollte.
Dann überlegte ich, wie es weitergehen sollte. Es gab zwei Möglichkeiten: Vor Ort wild zu zelten und am nächsten Morgen zurück zu wandern, oder noch am selben Tag die gesamte Strecke zurück zu gehen.
Schließlich entschied ich mich, die gesamte Strecke zurück zu gehen, um genug Zeit für den Rest der Inselüberquerung zu haben.
Es gab keinen anderen Weg zurück in die Zivilisation, außer die etwa 19 Kilometer entlang der Levada. Eine Straße oder alternative Wege gab es nicht.
Als ich umkehrte war es etwa 13 Uhr, daher war es realistisch, noch vor Anbruch der Dunkelheit zurück zu kommen.


Fast 20 Kilometer Rückweg durch das grüne Tal.
Erst war ich froh, den langen Tunnel hinter mir gelassen zu haben - jetzt ging es ein zweites Mal hindurch. Insgesamt habe ich also fast eine Stunde im langen Tunnel verbracht.
Möglichst schnellen Schrittes ging ich den mir nun bereits bekannten Weg zurück. Im Laufe des Nachmittags begann es leicht zu regnen.
Während des Rückwegs hatte ich genug Zeit, mir einen alternativen Plan zu überlegen. Schließlich kam ich zu dem Schluss, dass ich den gesamten Weg bis zum Start der Levada zurück legen würde. Von dort wollte ich zum Meer absteigen, bis zum Campingplatz Porto Moniz.
Dort würde ich das erste Mal auf eine Straße treffen und ein Taxi bis nach Fanal nehmen, um am nächsten Morgen meine Tour wie geplant und ohne Verzögerung fortzusetzen.
Das klappte auch alles genau so, wie ich es mir ausgemalt hatte. Lediglich der steile Abstieg auf Meereshöhe verlangte meinen Beinen nach fast 40 Kilometern noch einiges ab.
Über die App Bolt organisierte ich in weniger als 10 Minuten ein Taxi, welches mich in 20 Minuten nach Fanal brachte.
Die Taxifahrerin sagte mir, dass es in der Nacht kalt und nass werden würde.
Nun war ich nur etwa 2km Luftlinie vom Ende der Levada, wo ich umdrehen musste, entfernt, aber durch den steilen, unüberwindbaren Hang getrennt.
Insgesamt war ich deutlich weiter gelaufen als geplant (38 Kilometer statt 25), aber war nun trotzdem am geplanten Ziel. Natürlich fühlte es sich etwas unbefriedigend an, so kurz vor dem Ziel umdrehen zu müssen und auf das Taxi zu setzen.







Anstrengender Abstieg und Taxifahrt nach Fanal
Fanal ist ein Park auf der Hochebene, der für die mystischen, alten Bäume bekannt ist. Hier darf man, gegen Anmeldung, wild zelten.
Außer mir standen dort noch drei weitere Zelte.
Es gibt auch einen Trinkwasserhahn. Zur Sicherheit habe ich das Wasser aber noch gefiltert.
Etwa eine Stunde nach meiner Ankunft wurde es schon Dunkel. Ich machte es mir im Zelt gemütlich und bereitete etwas meiner (leider völlig versalzenen) Couscous-Mischung zu.
Während der gesamten Tour aß ich nur kaltes Essen, da ich in Porto Moniz kein Gas bekommen hatte. Dafür hätte ich einen extra Abstecher zum Sportgeschäft in Funchal machen müssen.
Nach einem Anruf nach Hause schloss ich auch schon die Augen und lauschte noch etwas dem leichten Regen auf dem Zelt.


Wildcamping bei Fanal
Tag 2
Start: Wilder Zeltplatz Fanal
Ziel: Wilder Zeltplatz, Chão dos Louros forest park
Distanz: 30km
Am nächsten Morgen rüttelte der Wind an meinem Zelt. Durch den zusätzlichen Sprühregen war es draußen eher ungemütlich.
Ich baute mein Zelt ohne Frühstück ab und füllte mein Wasser für den Tag auf. Währenddessen wurde ich von neugierigen Kühen besucht.
Anschließend wollte ich aufbrechen.
Doch nach den ersten Metern hinaus auf das exponierte Plateau drehte ich wieder um.
Der Wind war so stark, dass ich in die Hocke gehen musste, um nicht umzukippen. Die Regenhülle meines Rucksacks wurde sofort abgerissen und war in wenigen Sekunden am Himmel verschwunden. Der Regen im Gesicht tat richtig weh und ich konnte teilweise kaum die Augen öffnen.
Durch die geschützte Lage in der Senke hatte ich den starken Wind beim Zelt nur eingeschränkt wahrgenommen.
Ich ging wieder zurück zum Zeltplatz um in einer Schutzhütte einen Plan zu machen.
Dort traf ich zwei deutsche Wanderer, die aus der anderen Richtung kamen, und daher meine heutige Etappe schon teilweise rückwärts gegangen waren.
Sie schilderten mir, dass der Weg nur den ersten Kilometer so ausgesetzt sei.
Daher beschloss ich, einen weiteren Anlauf zu starten.
Ich begab mich erneut auf das Plateau und schaffte es mit vorsichtigen Schritten bis in einen von Büschen geschützten Abschnitt.
Hier war der Wind immer noch stark, aber nicht mehr so hinderlich beim gehen.



Regnerischer und windiger Morgen bei Fanal
Durch den Sturm
Etwas entspannter wurde es, als der Weg in einen Wald führte. Hier war zum ersten Mal ein ruhiges Durchatmen möglich.
Das Waldstück war leider eher kurz und für die nächsten Stunden ging es größtenteils ausgesetzt zwischen Büschen durch den Wind.
Dennoch genoss ich die Strecke und die Aussichten.



Viel Wind, aber schöne Aussicht
Ausgepeitscht von den Büschen
Auf der halben Strecke passierte ich den Trekking-Zeltplatz "Estanquinhos". Hier wäre eine Übernachtung auch mit kürzeren Etappen möglich.
Der Platz bietet ein weitläufiges Gelände mit Picknickbänken in einem lichten Waldstück.


Zeltplatz Estanquinhos
Kurze Zeit später begann der lange Abstieg ins Tal über Vargem, wo sich mein heutiger Zeltplatz im Park "Chão dos Louros" befand.
Trotz des inzwischen gemäßigten Windes zog sich der Abstieg noch mal in die Länge.
Der Weg führte zuerst offen über breite Forststraßen mit Aussicht in Richtung Sao Vincente.
Danach betrat ich wieder dichten Wald und wanderte einige Kilometer entlang einer kleinen Levada.
Immer wieder gab es schöne Aussichten in Richtung Meer.








Abstieg ins Tal über Sao Vicente
Im Anbruch der Dämmerung erreichte ich schließlich den Park "Chão dos Louros". Hier war es gespenstisch leer.
Der Park liegt an einer kaum befahrenen Straße, inmitten von Wald. Während meines gesamten Aufenthaltes dort begegnete ich keiner Person, auch keinen anderen Wanderern.
Das Gebiet ist sehr weitläufig, man hat sehr viele Möglichkeiten das Zelt zu platzieren. Es gibt auch ein Sanitärhaus mit Toiletten, welche ich aber wegen des sehr heruntergekommenen Zustandes nicht nutzte.
In der Nacht wachte ich immer wieder durch Geräusche von knackenden Ästen und Tieren auf. Dazwischen folgte gespenstische Stille.



Übernachtung bei Chão dos Louros
Tag 3 - Pause
Start: Curral das Freiras
Ziel: Eira Do Serrado
Distanz: 4km
In der Nacht bekam ich nur sehr wenig Schlaf und spürte die zwei langen Etappen der letzten Tage am nächsten Morgen im ganzen Körper.
Heute stand eigentlich die Etappe mit den meisten Höhenmetern in das "Nonnental" Curral das Freiras an.
Durch vergangene Waldbrände war es allerdings unklar, ob die Wege wirklich begehbar waren.
Aufgrund dessen, und meiner körperlichen Verfassung, entschied ich mich, die heutige Etappe teilweise zu überspringen und direkt im Curral das Freiras zu starten. Ansonsten wäre unklar, ob ich den Rest der Strecke zeitlich und körperlich geschafft hätte.
Über die App Bolt bestellte ich ein Taxi, welches durch die Abgelegenheit und die frühe Uhrzeit etwa 45 Minuten brauchte.
Diese Zeit nutzte ich, um alles zu packen.
Der Taxifahrer schaute mich zwar zuerst skeptisch an, ließ mich aber dann ohne Kommentar in sein gepflegtes Auto.
Die etwa einstündige Fahrt ins Curral des Freiras kostete etwa 50€.



Frühe Taxifahrt und Ankunft im Curral des Freiras
Angekommen im kleinen Dorf kaufte ich in einem winzigen Lebensmittelladen ein. Dort gab es für mich Banenen, Nüsse und Kekse.
Anschließend erkundete ich ein wenig den kleinen Ort, welcher sehr beeindruckend innerhalb der Berge gelegen ist.
Den Ort erreicht man nur über einen Tunnel, durch die Berge ringsherum ist er eher abgeschottet.
Mein Ziel für heute war nun das Hotel Eira Do Serrado - die einzige geplante Dusche auf meiner Wanderung.
Das Hotel liegt einsam und weit oberhalb des Dorfes am Berghang, mit tollem Blick in das Tal.
Dementsprechend hatte ich nun doch noch einige Höhenmeter vor mir.
Über den "Nonnenpfad" erklomm ich den Hang.
Dieser steile Weg mit vielen Serpentinen bot eine grandiose Aussicht auf das Tal. Allerdings ist er sehr bekannt bei Touristen, weswegen viele andere Wanderer und Gruppen dort unterwegs waren.
Auf der Hälfte des Anstieges machte ich an einem Tisch halt und nahm mir die Zeit für ein Frühstück.







Aufstieg über den Nonnenpfad zum Hotel Eira Do Serrado
Nach etwa 450 Höhenmetern über 3 Kilometer erreichte ich dann den Pass mit dem Hotel.
Dort ist auch ein bekannter Ort für Touristen, die auch mit dem Bus über eine Straße von der anderen Seite anreisen können. Es gibt neben dem Hotel eine Aussichtsplatform, ein Restaurant und einen Souvenierladen.
Trotz vieler Besucher war das Hotel fast leer. Ich konnte mein Zimmer trotz früher Ankunft am Mittag sofort beziehen.
Dort genoss ich zuerst eine wohltuende Dusche, wusch meine Wäsche und lud meine Elektronik auf.
Vom Balkon des Zimmers bot sich eine tolle Aussicht ins Tal.
Ich erkundete ein wenig das fast leere Hotel. Im Spa-Bereich war niemand und ich konnte in Ruhe die Aussicht durch die großen Panoramafenster genießen.
Anschließend spazierte ich noch ein wenig außerhalb des Hotels und schaute mir den nahegelegenen Aussichtspunkt an.
In der Nacht tankte ich neue Energie. Lediglich gegen Mitternacht wurde ich von einer sehr lauten Explosion geweckt. Im Tal sah ich aus meinem Zimmer Rauch aufsteigen.
Später fand ich heraus, das es sich dabei wahrscheinlich um Feuerwerk handelte.









Ungewohnter, erholsamer Luxus im Hotel
Tag 4
Start: Eira Do Serrado
Ziel: Wilder Zeltplatz "Chão das Feiteiras"
Distanz: 22km
Anstieg: 1450m
Nach der Nacht im bequemen Hotelbett war ich wieder voller Energie und bereit für die nächste Etappe.
Das Frühstück im Hotel war, was die veganen Optionen anging, eher mager. Dafür gab es aber eine tolle Aussicht in das Tal.
Heute standen noch Mal viele Höhenmeter auf dem Programm, da der Weg über den Pico Areiro führte, einem der höchsten Berge Madeiras.
Um 9 Uhr verließ ich das Hotel und ging die ersten Schritt entgegen der gerade aufgegangenen Sonne.
Die ersten Kilometer führten über die kleine Straße, welche von hinten zur Eira do Serrado führt. Das Tal unterhalb der Straße war noch in mystischen Morgendunst gehüllt.
Durch die frühe Uhrzeit waren zum Glück kaum Autos und Busse unterwegs. Zu späterer Stunde ist das gehen auf dieser Straße wahrscheinlich sehr unangenehm, da es keinen Bürgersteig gibt und es neben der Straße steil runter geht.




Frühstück im Hotel und die ersten Kilometer entlang der Straße
Nach zwei Kilometern bog ich auf eine kleinere Straße ab, die nun sehr Steil den Berg hinauf führte.
Da diese Straße erst ab 9 Uhr geöffnet wird, begegnete ich hier auch nur wenigen Autos.
Nach etwa 3 Kilometern und 500 Höhenmetern befand sich neben der Straße der Aussichtspunkt "Miradouros do Paredão". Hier hielt ich kurz inne und genoss die Aussicht zurück ins Tal nach "Curral das Freiras".
Hinter dem Aussichtspunkt, nach insgesamt etwa 5 Kilometern, verließ ich endlich die Straße und bog in einen kleinen, unebenen Wanderweg ab. Dieser schlängelte sich langsam immer weiter nach oben.
Durch die spärliche Vegetation bot sich durchgehend ein toller Blick auf das Bergpanorama.






Aufstieg zum Aussichspunkt "Miradouros do Paredão"
Während ich dem Weg weiter folgte, öffnete sich auch langsam die Sicht auf dem Pico Ruivo, den höchsten Berg Madeiras.
Die Sonne drückte sich immer weiter durch und ich kam ordentlich ins Schwitzen.
Nach einem schönen, aber auch anstrengenden Aufstieg erreichte ich schließlich den letzten Gipfel vor den Pico Areiro. Hier sah man zum ersten Mal die weiße Kugel der markanten Radarstation auf dem Gipfel.
Nun lag nur noch ein kurzer Ab-und Anstieg bis zum Pico Areiro vor mir.





Auf dem Weg zum Pico Areiro
Wanderung mit Blick auf die Gipfel
Am Pico Areiro angekommen war ich zuerst überrascht, wie touristisch der Gipfel erschlossen war.
Eine nahegelegene Straße ermöglicht es, sehr einfach dorthin zu kommen. Es gibt ein kleines Imbiss-Restaurant und einen Souvenir-Shop.
Das kleine Restaurant kam mir sehr gelegen. Hier nahm ich die erste warme Mahlzeit meiner Tour zu mir: Eine riesige, günstige, aber leider nicht besonders gute Portion Pommes. Aus dem Restaurant hatte ich schöne Aussicht auf den Pico Ruivo.



Auf dem Pico Areiro
Vom Gipfel des Pico Areiros führt ein sehr bekannter Weg über den Grat bis zum Pico Ruivo.
Da es noch recht früh war und ich wieder neue Energie getankt hatte, entschied ich mich, den circa 7km langen Weg (14km hin und zurück) zusätzlich zu gehen.
Leider musste ich feststellen, das der Weg schon nach 1,2km wegen eines Steinschlags gesperrt war.
Aber auch die ersten 1.2km hatten es in sich. Es gab durchgehend wunderschöne Aussichten in alle Richtungen. Der Weg führt teilweise atemberaubend schmal über den Grat.
Allerdings musste ich auch oft warten, da die Strecke sehr bekannt ist und viele Menschen dort unterwegs waren.
Es war überraschend windig und ich musste meine Regenjacke anziehen, um warm zu bleiben.









Der Weg in Richtung Pico Ruivo.
Der Abstecher in Richung Pico Ruivo dauerte etwa eine Stunde, da ich mehrmals an den tollen Aussichtspunkten eine Pause einlegte.
Anschließend belohnt ich mich im Imbiss noch mit einem Wassereiß, bevor ich meinen Weg fortsetzte.
Vor mir lagen nun noch etwa 9 Kilometer bis zum Zeltplatz. Da ich quasi am höchsten Punkt der Insel war ging es fast nur begab.
Nach den Menschenmassen am Pico Areiro war es sehr angenehm, nun wieder über leere Wege zu gehen.
Der Weg führte mich durch eine schöne Graslandschaft und bot auch immer wieder tolle Ausblicke.
Am Ende führte die Strecke noch entlang einer kleinen Levada. Die letzten Kilometer führten parallel zu einer (kaum befahrenen) Straße.





Abstieg vom Pico Areiro
Mein Ziel für den Tag war der Wildcampingplatz bei Chão das Feiteiras. Dort befindet sich ein abgelegener, weitläufiger Park mit Sitzbänken und verschiedenen Wiesen.
Ich war wieder die einzige Person, die dort übernachtete und begegnete den ganzen Abend niemandem.
Mein Zelt baute ich direkt neben einem Picknicktisch mit etwas Ausblick ins Tal auf.
Auf den Wiesen waren auch Schafe unterwegs, die sich aber nicht für mich und mein Zelt interessiert haben.
Etwa eine Stunde nach meiner Ankunft um 17:30 Uhr wurde es schon dunkel und kühl. Daher verkroch ich mich schnell in meinem Zelt.
Die Nacht war sehr ruhig. Man hörte nur den leichten Wind in den Bäumen und die Glocken der Schafe.



Angekommen am Zeltplatz Chão das Feiteiras
Tag 5
Start: Chão das Feiteiras
Ziel: Zimmer in Porto da Cruz
Distanz: 17km
Am Morgen wurde ich von einem schönen Sonnenaufgang geweckt. Durch den Picknicktisch war das Packen meiner Ausrüstung sehr komfortabel.
Heute lag ein langer Abstieg zum Meer vor mir. Mein Ziel war ein AirBnB-Zimmer in der Nähe von Porto da Cruz, welches ich am Vorabend gebucht hatte.
Das war meine einzige Übernachtungsmöglichkeit, da es keinen Zeltplatz in der Umgebung von Porto da Cruz gab.
Gegen 9 Uhr brach ich auf und folgte einem kleinen Trail den Berg hinunter. Dieser führte durch einen dichten, mystischen Wald. Nach etwa 1,5 Kilometern traf ich auf die Levada do Furado. Dieser folge ich lange Zeit über einen schmalen Pfad durch den Wald. Während der Zeit an der Levada begegneten mir nur sehr wenige Wanderer.



Erster Abstieg und ein Pfad entlang der Levada do Furado
Nach etwa 8 Kilometern verließ ich den Pfad an der Levada und es ging wieder steiler bergab. Der Weg führte durch einen schönen Loorbeerwald. Zwischenzeitlich wurde es so steil, dass ich einmal komplett ausgerutscht und hingefallen bin.
Immer wieder öffnete sich die Sicht zum Meer und der Küste bei Porto da Cruz.




Absteig durch den Loorbeerwald.
Nach etwa 10 Kilometern kam ich schließlich in Porto da Cruz an. Die ersten Straßen waren eher heruntergekommen und abgelegen. Hier waren kaum Menschen unterwegs. Immer wieder bellten mich Hunde an.
Ich lief kreuz und quer durch Porto da Cruz bis zum Meer. Als ich nun nach 4 Tagen erstmals wieder am Meer angekommen war gönnte ich mir erstmal eine Pause mit Blick auf die Wellen.
In Porto do Cruz gab es nur ein kleines Lebensmittelgeschäft, wo ich nur Bananen und Kekse gekauft habe.









Abstieg zum Meer durch Porto da Cruz.
Anschließend machte ich mich auf den Weg zu meinem AirBnB, einem kleinen Zimmer bei einer portugiesischen Familie.
Dafür musste ich ein Stück am Meer in Richtung Osten gehen, da das Haus nicht zentral in Porto da Cruz lag.
Nach etwa 17 Kilometern erreichte ich die Wohnung "Nobregas Home". Die Familie hieß mich herzlich auf englisch Wilkommen.
Das Zimmer hatte einen separaten Eingang, eine Dusche und tollen Ausblick auf das Dorf und die Berge.
Nachdem ich meine Kleidung gewaschen und meine Geräte geladen hatte genoss ich den ruhigen Abend.







Der Weg und der Blick aus meinem AirBnB-Zimmer.
Tag 6
Start: AirBnB-Zimmer bei Porto da Cruz
Ziel: Zimmer in Canical
Distanz: 17km
Am heutigen Tag stand die letzte richtige Wanderetappe an. Mein Plan war es, an den Steilküsten von Porto da Cruz in Richtung Osten zu gehen und anschließend durch das Inland nach Canical.
In Canical gab es keine Campingmöglichkeit, daher hatte ich am Vorabend ein Zimmer in einem Gästehaus reserviert.
Ich verließ das Zimmer Porto da Cruz schon sehr früh, da gegen Mittag viel Regen gemeldet war.
Nach wenigen Schritten durch die Wohngegend verließ ich die Zivilisation und legte einige Höhenmeter in Richtung der Steilklippen zurück.




Leider wurde die Sicht durch den Nebel und die Wolken zunehmend eingeschränkt. Als ich schließlich den kleinen Pfad entlang der Klippen erreichte, konnte man nur noch wenig vom eigentlich spektakulären Ausblick sehen.
Trotzdem genoss ich den wunderschönen Weg, der sich hoch entlang der Klippen schlängelt, sehr. Aufgrund des Wetters begegneten mir hier kaum andere Menschen.
Nach wenigen Kilometern fing es stark an zu regnen. Ich wurde komplett durchnässt.
Die Krönung war noch ein Wasserfall mitten auf den Weg, den ich passieren musste. Danach war wirklich nichts mehr trocken.




Nach einigen Kilometern auf dem schmalen Weg entlang der Klippen führte mich mein Weg wieder landeinwärts. Durch dichtes Grün ging es bergab Richtung Machico.
Zwischendurch trat ich mit dem Fuß in eine Levada. Irgendwann hat die Nässe und der Regen dann nicht mehr gestört, weil sowieso alles nass war.




Nach einem längeren Abstieg über schmale Trampelpfade musste ich noch einen langen Tunnel mit Straße nach Canical durchqueren. Als ich das geschafft hatte war es nicht mehr weit bis zu meiner heutigen Unterkunft - einem Gästezimmer im São Lourenço Guest House.
Das trockene Zimmer war gut um meine gesamten Klamotten zu trocknen - im Zelt wäre das schwierig gewesen.
Den Abend nutzte ich noch um Canical etwas zu erkunden und Lebensmittel zu kaufen.





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