Im Sommer 2024 nutzte ich zwei freie Monate, um meine bisher längste Radtour zu unternehmen: circa 3500km durch Norwegen - mit dem Nordkap als Zwischenziel.
Insgesamt war ich 40 Tage im Sattel, dazu kamen noch mehrere Tage für Zwischenaufenthalte und Fährfahrten.
Die Route habe ich dabei in vier Etappen aufgeteilt, die ich in veränderter Reihenfolge und mit Zugstrecken dazwischen gefahren bin:

- Zugfahrt 1: Frankfurt - Kiel
- Schiff 1: Color-Line Kiel - Oslo
- Zugfahrt 2: Oslo - Bergen
- Etappe 1: Bergen - Trondheim (ca. 1000km)
- Zugfahrt 3: Trondheim - Bodo
- Etappe 2: Bodo - Nordkap (ca. 1000km)
- Schiff 3: Hurtigrute Nordkap - Bodo
- Etappe 3: Bodo - Trondheim (ca 1000km)
- Etappe 4: Trondheim - Oslo (ca 500km)
- Schiff 3: Color-Line Oslo - Kiel
- Zugfahrt 4: Mit dem Deutschlandticket nach Hause

Durch die Aufteilung in die Etappen hätte ich bei einer Panne noch genug zeitlichen Puffer gehabt, um mir eine alternative Rückreise zu überlegen.

Material



Karte mit (Wild)-Campingplätzen (TrekSpots)
Ideal für Wandern und Radfahren

TrekSpots


Podcast über meine Reise
Ein Tourenbericht im beVegt-Podcast

David Traum, was erlebt man auf einer Radreise bis ans Nordkap? » beVegt
Wir sprechen mit David Traum über seine abenteuerliche Radreise durch Norwegen bis ans Nordkap!



Anreise

Von: Frankfurt
Nach: Bergen
Schritte:
1. ICE Frankfurt - Kiel
2. Fähre Kiel - Oslo
3. Zug Oslo - Bergen

Meine Reise sollte in Norwegen starten. Aus Logistik-und Umweltgründen wollte ich auf einen Flug verzichten.
Wie sich später herausstellte, hatten außerdem viele andere Radfahrer nach dem Flug nach Norwegen Probleme, von verbogenen Schaltaugen bis zu einem Verschwinden des Fahrrads beim Transport.
Ich entschied mich daher für eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und der Fähre der Reederei "Color-Line" von Kiel nach Oslo und zurück.
Nach Kiel fuhr ich zuerst mit einem ICE von Frankfurt. Nachdem mein ursprünglicher ICE von Düsseldorf gecancelt wurde und ich in der Nacht viele Stunden am Frankfurter HBF wartete, verlief die Fahrt sehr entspannt.
Vom Kieler Hauptbahnhof sind es nur 2km bis zum Fähranleger der Colorline. Die Strecke ist problemlos mit dem Fahrrad machbar, allerdings ist der Weg nicht unbedingt einfach zu finden.


Am Fährterminal erwartete mich nur eine große Menge Autos, und ich wusste zuerst nicht, wo ich mich einordnen sollte.
Hier empfiehlt es sich, einfach das Personal anzusprechen. Ich wurde sehr freundlich empfangen und von zwei Personen aus der Autoschlange eskortiert und bis ganz nach vorne vor die Fähre gebracht.
Dort stand ich vorerst als einziger Radfahrer vor den Motorradfahrern und Autos.
Bis zur Abfahrt waren es noch gute zwei Stunden, und ich musste noch etwas warten.
Kurz vor dem Boarding erschienen noch vier weitere Radreisende, mit denen ich schließlich vorneweg durch den Bug des riesigen Schiffes fuhr.
Wir sollten die Fahrräder am Bug des Schiffes an der Wand abstellen. Es wurden starke Magnete zur Verfügung gestellt, mit denen die Räder an der Wand befestigt werden konnten. Es empfiehlt sich, etwas Schnur griffbereit zu haben, um das Fahrrad an den Magneten zu befestigen. Ich nutzte etwas Zeltschnur und ließ mein Rad schließlich zurück, in der Hoffnung, dass die Befestigung den möglichen Wellengang überleben würde.
Das Autodeck (wo auch die Fahrräder stehen) wird während der Überfahrt geschlossen, daher muss man alles wichtige Gepäck mitnehmen. Ich hatte dafür einen großen Grünschnitt-Müllbeutel griffbereit, in den ich alle meine einzelnen Radtaschen beförderte und so wie der Weihnachtsmann mit meinem Sack die Treppen zu den Passagierdecks erklomm.
Für die Überfahrt ist eine Kabine Pflicht, welche ich nach einer weiteren halben Stunde Wartezeit beziehen konnte.
Dort lagerte ich mein Gepäck und erkundete anschließend das Schiff.
Mir hätte eine einfache Überfahrt ohne großen Luxus völlig gereicht, das Schiff ist allerdings ein kleines Kreuzfahrtschiff. Es gibt eine Einkaufsmeile, ein Casino, ein Schwimmbad, Restaurants und mehr.
Auf ein Abendessen oder Frühstück in einem Restaurant habe ich verzichtet.
Wenn man sich selbst versorgt lohnt es sich, vorher in Kiel etwas Proviant zu besorgen, da die Preise auf dem Schiff hoch sind.
Vom Deck des Schiffes hat man einen tollen Panoramablick. Dort habe ich die Abfahrt verfolgt.
Die Abfahrt in Kiel ist um 14 Uhr, die Ankunft in Oslo um 10 Uhr am nächsten Morgen.


Ein starker Wellengang blieb zum Glück aus. Ich erholte mich sehr gut und genoss die vorerst letzte Nacht in einem richtigen Bett.
Am nächsten Morgen konnte man die Einfahrt in den Oslofjord vom Deck aus verfolgen.
Norwegen begrüßte mich mit grauem Wetter und leichtem Regen.
Die Fahrt vom Schiff verlief problemlos, die Radfahrer durften das Schiff zuerst verlassen. Eine Pass-oder Zollkontrolle wurde nicht durchgeführt.
Ein norwegisches Paar aus Oslo, welche von einer Radtour in Deutschland kamen, erklärten mir noch den schönsten Weg zum Bahnhof.
Die Tour vom Fähranlager bis zum Bahnhof ist circa 4km lang. Da Oslo relativ fahrradfreundlich ist, war der Weg einfach zu bewältigen.
Mein Plan sah nun vor, am selben Tag von Oslo nach Bergen mit dem Zug (Bergenbahn) zu fahren. Dort sollte dann meine Radtour starten.
Das Fahrrad in norwegischen Zügen zu transportieren ist, im Gegensatz zu Schweden, normalerweise kein Problem.
Lediglich auf den Strecken Oslo - Bergen (meine Strecke) und der Strecke von Trondheim nach Bodo muss ein Fahrradticket reserviert werden.
Für die Reise von Oslo nach Bergen habe ich inklusive Sitzplatz und Radtransport circa 80€ bezahlt.
Da ich glücklicherweise der einzige Radfahrer im Abteil war, gestaltete sich das Ver-und Entladen meines Rads sehr entspannt. Das Zugpersonal ist aber auch sehr aufmerksam und hilfsbereit.

Insgesamt war ich 6 Stunden mit dem Zug unterwegs, von 12 bis 19 Uhr.
Der Ausblick aus dem Zug wird während der Fahrt zunehmend schöner. Besonders das Stück entlang des Rallarvegen (ehemaliger Bahnarbeiterweg) zwischen Haugastol und Finse bietet atemberaubende Ausblicke in Richtung der Hardangervidda.

In Bergen wurde ich von starkem Regen empfangen. Dadurch konnt ich die Alstadt von Bergen nicht wirklich genießen und habe nur schnell meinen ersten Lebensmittel-Einkauf erledigt.

Anschließend startete ich final in mein Abenteuer.

Die restlichen Stunden des Tages wollte ich dazu nutzen, einen Schlafplatz zu finden. Direkt in Bergen und auch auf den nächsten Kilometern Richtung Norden gab es keinen offiziellen Campingplatz.
Daher fuhr ich einfach los und hielt Ausschau nach einer guten Übernachtungsmöglichkeit am Straßenrand.
Nach etwa 15 Kilometern fand ich die Badewiese "Vollane", welche aufgrund des Wetters völlig leer war.
Dort stelle ich mich in eine hintere Ecke, geschützt von ein paar Bäumen. Wildcamping ist in Norwegen erlaubt, solange man genug Abstand von Wohnhäusern hält und nicht auf privaten oder landwirtschaftlichen Flächen steht.
Der Regen lies nach und die Nacht wurde sehr ruhig und angenehm. Lediglich ein Angler und ein paar Jugendliche besuchten die Badewiese am Abend noch kurz.
Mit Anbruch der Dunkelheit begab ich mich in mein Zelt, um am nächsten Morgen mit viel Energie in die erste richtiger Etappe starten zu können.



Abschnitt 1: Bergen - Trondheim